Kapitel I - wie alles begann...

Erstes internationales Schachturnier am Hofe König Philipps II. von Spanien 1575, Gemälde von Luigi Mussini (1886) Erstes internationales Schachturnier am Hofe König Philipps II. von Spanien 1575, Gemälde von Luigi Mussini (1886)

Im Jahr 1886 wurde Wilhelm Steinitz der erste Spieler, den man als offiziellen Weltmeister bezeichnet. Dazu in einem weiteren Kapitel mehr.

Aber schon lange vor 1886 gab es starke Schachspieler.

 

Das moderne Schach entstand etwa um 1475 vermutlich im spanischen Valencia durch Änderung der Gangart von Läufer und Dame. An diesem Prozess wesentlich beteiligt waren die Literaten Francesc de Castellvi, Narcis Vinyoles, Bernat Fenollar und Francesch Vicent. Dies dürften auch die besten Spieler ihrer Zeit gewesen sein. Zeugnis dieser frühesten Entwicklungsphase ist das katalanische Schachgedicht Scachs d'amor. In der Folge erschienen gedruckte Schachabhandlungen von Juan Ramirez de Lucena und Pedro Damiano, welche an diese Tradition anknüpften. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts galt der Spanier Ruy López de Segura als bester Spieler der Welt. Er wurde im Jahre 1575 am ersten internationalen Schachturnier der Geschichte am Hofe des spanischen Königs Phillips II. in Madrid vom Sizilianer Giovanni Leonardo da Cutro geschlagen. Im Jahr 1886 (also in dem Jahr, in dem das erste Mal der offizielle WM-Titel vergeben wurde) entstand das oben gezeigte Gemälde, das an dieses Turnier erinnert.

 

Bei den vielen weiteren Spielern, die nun im Laufe der Jahrzehnte/Jahrhunderte als beste oder gute Spieler bekannt wurden, gilt es, einen Namen besonders zu erwähnen:

Howard Staunton

 

Geboren als unehelicher Sohn des Grafen von Carlisle wuchs Staunton in ärmlichen Verhältnissen auf und erlernte das Schachspiel erst mit 20 Jahren, relativ spät für einen großen Schachmeister. Erst ab 1830 tauchte er in den Londoner Schachclubs auf. Zuvor war er als Schauspieler aktiv und trat u.a. mit dem großen Schauspieler Edmund Kean in William Shakespeares Der Kaufmann von Venedig auf, in dem er sich in der Rolle des Lorenzo durchaus neben Keans Shylock behaupten konnte. Daneben beschäftigte sich Staunton jahrelang mit den Werken Shakespeares und wirkte auch als Herausgeber einer seiner Werkausgaben.

Staunton beschäftigte sich eingehend mit der Eröffnungstheorie, was seine beachtlichen Erfolge auf dem Schachbrett beschleunigte. Er wurde zu einem glänzenden Analytiker und wendete als erster die Eröffnung 1. c2-c4 an, die als Englische Eröffnung in die Schachgeschichte einging. In Bremen wurde diese Eröffnung auch als Bremer Partie bezeichnet, welche für die Bremer SG eine große historische Bedeutung hat.

Staunton wurde schnell zu einem der besten Schachspieler Europas. Im Jahr 1843 forderte er im berühmten Pariser Schachcafé Café de la Régence den französischen Meister Pierre Saint Amant zu einem Wettkampf heraus. Von 21 Partien gewann er 11, verlor sechs und spielte vier Mal unentschieden. Danach galt er als stärkster Spieler der Welt.

Ab 1841 gab Staunton die Schachzeitung „The Chess Players Chronicle“ heraus und leitete sie bis 1852. Sie war nach der französischen Zeitschrift „Le Palamède“ die zweite Schachzeitung überhaupt. Oft präsentierte er hier eigene Partien, wobei Gewinnpartien überrepräsentiert sein sollen. Ab 1845 bis zu seinem Tod verfasste Staunton auch die Schachrubrik in der „Illustrated London News“. Hier berichtete er über das sich entwickelnde Schachleben in aller Welt und publizierte Schachprobleme und Partien. Diese Schachrubrik gilt heute als wertvolle Informationsquelle. Außerdem veröffentlichte er mehrere Schachbücher, darunter 1847 sein einflussreiches Lehrbuch, The Chess-Player's Handbook.

Zu Werbezwecken erlaubte Staunton, daß Schachfiguren nach dem Entwurf von Nathaniel Cook, einem Bekannten Stauntons, seinen Namen bekamen. Nach einer anderen Theorie stammt der ursprüngliche Entwurf von Cooks Schwager, dem Kunsthandwerker John Jaques. Cook ließ jedenfalls das Muster am 1. März 1849 registrieren. Das Design wurde von Staunton in The Illustrated London News gelobt.

Wegen ihrer eleganten, klassizistisch anmutenden Form wurden die Staunton-Figuren rasch populär. Bis heute sind sie Vorbild quasi aller Schachfiguren, die im Wettkampfschach eingesetzt werden.

Fortsetzung folgt. Im nächsten Kapitel lesen Sie, wie Wilhelm Steinitz 1. Schachweltmeister wurde...